Bücher

9783935319195

Rolf Richter

Dauerspannung

Kulturpolitik in der DDR

ISBN 978-3-935319-19-5

104 Seiten, Paperback

Erschienen: 01. 01. 2002

Ladenpreis: € 10.80

In diesem Essay analysiert der Rostocker Literaturwissenschaftler die Höhen und Tiefen der Kulturpolitik der DDR. Bemerkenswerte Sichtweisen und Fakten legt er dem Leser vor, regt zum Nachdenken über eine Kulturpolitik an, die viel Widersprüchliches barg.

Mit dem Begriff „Dauerspannung“ ist „in ganz produktiven Sinn die Anspannung aller Kräfte in den Mühen künstlerischer Arbeit gemeint, dass man ständig unter Spannung steht, die einen in Atem hält und nicht zur Ruhe kommen lässt; ja, auf die Folter spannt; eine Spannung, die sicher mal steigend, mal fallend, mal wechselnd ist; die Energie freisetzt, Spannkraft gibt. Genauso gilt das Wort aber auch für die hochgespannten Erwartungen und permanenten Forderungen von allein herrschender Partei und Staat gegenüber Künstlern und Schriftstellern; und oft versuchte man, sie schlicht und einfach vor den eigenen Karren zu spannen und fest an die Zügel zu nehmen. Umgekehrt gab es die andauernden gespannten Hoffnungen der Autoren auf die Vernunft der Regierenden, und nicht wenige von ihnen trachteten danach, sich eines zu engen Anzugs, der an vielen Ecken und Enden spannte, zu entledigen. Spannung zielt selbstverständlich auf die zahlreichen Konflikte zwischen Kulturschaffenden und Funktionären, aber auch innerhalb der Verbände selbst. Da war des Öfteren die Atmosphäre spannungsgeladen, in Misstrauen, Verstimmungen und Zerwürfnissen die Lage gespannt, man lebte sozusagen auf gespanntem Fuß; es gab Zerreißproben und die Gefahr, dass der Bogen überspannt werde; es gab die beunruhigende Stille und auch den danach folgenden Sturm. Und es zeigte sich häufig, dass Spannung als fortwährende Reibung und Auseinandersetzung fruchtbar für das eigene künstlerische Werk sein konnte.“