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Manfred Röseberg: Rostocker Bohle-Kegelsport

 

Vorbemerkungen 

Auch Kegeln ist eine Wettkampfsportart, es gibt Ligen mit Auf- und Abstieg, es geht um Punkte, um Sieg und Niederlage. Auch im Sportkegeln liegen Freude und Enttäuschung eng nebeneinander.

Im Deutschen Keglerbund sind mehr als 300000 Sportkegler und Bowler organisiert und etwa 20 Millionen Menschen kegeln zu ihrem Vergnügen. Kegeln hat sich also zu einem Breitensport und zu einem echten, weit verbreiteten Freizeitvergnügen entwickelt.

Trotzdem zählt das Sportkegeln in Deutschland nur zu den Randsportarten.

Warum ist das so? Wo liegen die Ursachen?

Dafür gibt es sicher verschiedene Gründe.

  1. Man kann nicht überall kegeln. Für Wettkämpfe zugelassene Anlagen fordern ein relativ großes Gebäude, teure Bahnen, teure Kegelstellautomaten, intensive Wartung und Pflege.

    Fußball kann man auf jeder Wiese spielen. Ballbegeisterte Jungs brauchen keine Tore, zwei Schultaschen oder zwei Jacken als Torpfosten tun es auch.

    Kegelanlagen gibt es nicht allerorts. So steht zum Beispiel in der Großstadt Rostock für Wettkämpfe nur eine einzige Sportstätte mit sechs Bohlebahnen zur Verfügung.

  2. Sportkegeln ist eine anspruchsvolle Sportart. Erfahrungen besagen, dass ein Kegler zirka drei Jahre regelmäßiges Training benötigt, bis er die Technik richtig beherrscht. Erst dann kann er erfolgreich an Wettkämpfen teilnehmen. Das gilt bereits für die unteren Spielklassen.

    Wer bringt so viel Enthusiasmus mit? Wer ist bereit, so lange zu üben, immer wieder zu üben?

  3. Ein Wettkampf im Sportkegeln, egal in welcher Klasse, dauert mehrere Stunden und er ist für Zuschauer nicht attraktiv genug. Es fehlt die Hektik, die Spannung, die aufregenden Szenen eines Fußball- oder eines Eishockeyspieles. Natürlich ist jeder Wettkampf im Sportkegeln packend und wird oft erst mit der letzten Kugel entschieden. - Aber die Dramatik erlebt im Prinzip nur der Kegler, nicht der Zuschauer.

  4. Kegelanlagen sind immer oder zumindest fast immer mit einem Restaurant verbunden. Das veranlasst Kritiker und Zweifler dazu, Gaststätte und Sportstätte zu verbinden und den Sportkeglern den Ruf des Wirtshauskegelns anzudichten. Das mag bei den Kegelabenden mancher der vielen Hobby-Kegelclubs zutreffen. Aber die meisten der Kritiker haben sicher noch nie einen sportlich harten Wettkampf erlebt. Sie haben bestimmt noch niemals 100 oder gar 200 Kugeln (am Stück!) gespielt.

Es ist an der Zeit, besser gesagt, es ist höchste Zeit, dass auch in Rostock die langjährigen Traditionen des Kegelns untersucht, zusammengetragen und dargestellt werden.

Natürlich löst das Berufen auf Traditionen, das Besinnen auf die eigene Geschichte nicht allein die gegenwärtigen Probleme des Kegelsports, aber ein sich daran Erinnern führt doch dazu, dass man viele Dinge in einem anderen Licht sieht.

Das erscheint wohl auch um so dringender, weil das Kegeln - auch wenn es sich zum Volkssport entwickelt hat - in der Außendarstellung nach wie vor eine recht untergeordnete Rolle spielt. Wie sollen junge Sportler gewonnen werden, wenn der Kegelsport in der Öffentlichkeit einen so geringen Stellenwert besitzt? Wie sollen Kegler stolz auf die Geschichte ihrer Sportart sein, wenn sie sie nicht kennen?

Wollen wir den Versuch unternehmen, das Gestern dieser Sportart in Rostock näher zu beleuchten. Allerdings scheint es notwendig vorauszuschicken, dass eine vollständige, lückenlose Darstellung der Geschichte nicht mehr möglich ist. Zu viel Zeit ist vergangen, zu viel hat sich inzwischen ereignet, als dass man erwarten könnte, vollständige Unterlagen und genügend Zeitzeugen zu finden, die über alles Auskunft geben könnten.

Es muss also teilweise auf Daten und Informationen zurückgegriffen werden, die keine Garantie auf Vollständigkeit und Richtigkeit besitzen. Sollten Fehler oder Ungenauigkeiten festgestellt werden, so ist der Autor für jede Information und Richtigstellung dankbar.

Einen besonderen Dank verdienen die Sportkameradinnen und -kameraden Manfred Fischer, Marianne Gildemeister, Herbert Howe, Otto Kühl, Roland Meier, Klaus Polkow, Günter Rumpf, Julius Schäfer, Ilse und Hermann Skibbe, Oscar Stollberg, Karsten Wachs und Lothar Zimmerlinkat sowie Witzan Schmidt vom LT-Club und das Archiv der Hansestadt Rostock, ohne deren freundliche Unterstützung diese Chronik niemals zustande gekommen wäre.

Rostock, September 2006